Woche Drei

Mittwoch: gammeln in Cusco

Gestern kamen wir abends vom Inca Trail zurück. Das bedeutet: duschen, duschen, duschen. Einige Verrückte von uns sind abends noch los, wir dagegen entschieden und für unseren „Stamm-Italiener“ und Pizza for take away. Liegen, Netflix und Fressi. Entsprechend haben wir uns für ein ungezwungenes Programm für den heutigen Tag entschieden.

So haben wir das elendige Hotelfrühstück links liegen gelassen (wie geht dieses Sprichwort noch gleich? Frühstücken wie ein Kaiser? In Peru ist es eher frühstücken wie im hinterletzten Loch. In keiner Unterkunft war das Frühstück gut.) und sind in einen kleinen süßen Frühstücksladen gegangen und ganz gemütlich in den Tag gestartet.

Anschließend sind wir ein paar Souvenirs shoppen gegangen und haben uns den zentralen Inka-Tempel in Cusco angeschaut. Der goldene Tempel in Cusco war der Zentrale Platz des Inka-Reichs. Alle Straßen führten dort hin und die Menge an Gold, die in den Wänden verarbeitet war, war unvorstellbar. Aus diesem Tempel wurden die Goldvorräte genommen um sich von den Spaniern den Frieden zu erkaufen. Ratet selbst, ob es geklappt hat.

Von dem einstigen Glanz ist jedenfalls nichts mehr zu sehen. Nur noch an der Architektur des Tempels (geschliffener Vulkanstein, komplett ohne Mörtel oder sonstigem Bindemittel zusammengehalten) erkennt man die Bedeutung.

Anschließend haben wir weiter gechillt, noch ne Pizza gegessen und die Sachen für den Regenwald gepackt.

Donnerstag: ab in Wald!

Heute ging’s für uns zum Flughafen von Cusco und nach 50 Minuten Flug erreichten wir Puerto Maldonado im Amazonas Regenwald. Somit haben wir die dritte Klimazone in drei Wochen erreicht. Erst mal ausgezogen, Schweiß aus dem Gesicht gewischt, ab in Bus und zum g-Adventures Office gedüst, wo wir unsere dicken Koffer gegen kleine Duffelbags tauschten. Manche fingen nun an, ihren kompletten Koffer aufzuräumen, aber wir Schlaufüchse haben vorher alles in Plastiktüten gepackt, was wir brauchten. So konnten wir das leckere Essen genießen, was uns in Metallschüsseln kredenzt wurden. Gerüchten zufolge haben von den hübschen Taschen, in denen es die Schüsseln gab, nicht alle den Weg zurück gefunden.

Anschließend ging es 40 min im Bus über Schotterhuckelpiste in einer Karawane und (durch den aufgewirbelten Staub) teilweise im Blindflug zum Port am Fluss Tambopata.

Der Fluss, so breit wie der Rhein, ist ein Nebenarm vom Amazonas, so wie ja quasi eigentlich jeder Fluss in Südamerika und das, obwohl der richtige Amazonas noch 500km weit weg ist von uns. Für uns ging es nun in einem motorisierten Kanu mit 10 Sitzreihen mit rechts und links je einem Sitzplatz weiter. Motor an und die ersten Eindrücke sammeln.

Nach knapp 2 Stunden, es war mittlerweile dunkel, erreichten wir den Steg unserer Lodge. Die Lodge ist komplett Öko aufgebaut, deswegen gibt es kein elektrisches Licht in den Räumen, sondern lediglich Kerzen, oder halt unsere Taschenlampen. Fenster gibt es auch keine, sondern quasi nur riesige Fliegengitter. Klingt etwas seltsam, hat aber den gewissen Charme, dass man sich „halb draußen“ fühlt. In unserem Zimmer waren darüber hinaus keine Viecher, was wir sehr begrüßten und weswegen wir immer artig die Tür schlossen! Hat bis zum Schluss geklappt!

Kurz nach Ankunft ging es zu einer Nachtwanderung in den Regenwald hinein. Schon ziemlich gruselig. Richtig gruselig wurde es aber, als wir uns auf dem Rückweg in Abstand von 50 Metern einzelnd hinstellten, um mal 10 Minuten komplette Dunkelheit im Regenwald „genießen“ zu können. Haben wir gemacht, brauchen wir nicht noch mal. Komplett durchgeschwitzt wegen Adrenalin und Luftfeuchtigkeit ging’s für uns zum Essen. Das Essen (außer Frühstück) gehört zu den besten unserer Tour.

Freitag – immer noch Regenwald:

Nach sehr entspannter Nacht trotz regenwaldlicher Geräuschkulisse, ging es für uns am Freitag noch tiefer mit dem Kanu in den Regenwald. Auf der 2 stündigen Wanderung haben wir mehrere Waldbewohner (mobil und immobil) kennengelernt sowie den ein oder anderen Seebewohner. Ein sehr interessante Erfahrung, wenn auch der Regenwald wohl niemals zu unseren bevorzugten Reiseorten zählen wird.

Am Nachmittag wurde das geplante Programm (Plantagenbesuch) zu Gunsten eines Schachspiels sausen gelassen und stattdessen die Hängematte vor unserem Zimmer in Beschlag genommen. Evtl fanden uns die Mücken gut.

Mit Einbruch der Dunkelheit ging es für uns wieder auf das Kanu um bei Nacht ein paar Kaimane (Mini-Krokodile) auschecken zu können. Also wurde in völliger Dunkelheit der Fluss hinunter gebrettert. Stellt euch bitte folgenden Dialog vor:

Herr Siebel Senior: Nun ja, mein Sohn und seine Frau sind gestorben und ich würde jetzt gerne das Geld der Lebensversicherung abholen.

Versicherungskerl: Was war den die Todesursache?

Vatter Siebel: Nun ja, die beiden waren in Peru und sind mit einer motorisierten Nussschale in völliger Dunkelheit über den Fluss gebrettert. Es kam wie es kommen musste: Crash, Boot untergegangen und die Krokodile haben die beiden als Festessen betrachtet.

Versicherungskerl: Herr Siebel, soviel Dummheit und Eigenunverantwortlichkeit wird nicht von unserer Versicherung abgedeckt. Guten Tag.

Durchaus überraschend haben jedoch das Boot, sowie alle 19 Insassen überlebt. Darunter 3 Deutsche.

Gesehen haben wir einen weißen Kaiman aus ziemlicher Nähe und ein paar, die rechtzeitig abtauchen konnten. Sowie unglaublich viele Moskitos. Naja, dieses Animalwatching turnt uns irgendwie auch nicht. In der Mitte der Tour wurde dann auch noch der Motor und das Licht ausgemacht, ähnlich wie gestern, wieder für das feeling. Haben wir mitgemacht, reichte dann auch wieder.

Wieder zuhause angekommen gabs dann Abendessen. Nach dem Abendessen wurden noch Taranteln angeguckt, weil wir sie am Vormittag nicht aus ihren Höhlen gelockt bekamen. Haben wir uns dann nicht mehr angetan.

Stattdessen zog ein Sturm auf der unser Zimmer, besser gesagt die Vorhänge vor unseren Fliegengittern, ziemlich durchwirbelte. Das machte die Nacht um einiges unruhiger als die vorherige, aber auch das haben wir überlebt.

Samstag – Auflösungserscheinungen:

Der quasi letzte Tag unserer Tour ist ein Reisetag. Kanu zum Port, Bus zum Office, Koffer abholen, weiter zum Flughafen, Flug nach Lima (mit unerklärlichen Zwischenstopp in Cusco) und wieder zurück zum Ausgangshotel von vor 3 Wochen. Viel mehr ist auch nicht zu berichten.

Für die kommenden Tage bis zu unserem Rückflug am Dienstag haben wir uns nichts großes mehr vorgenommen: entspannen, etwas durch die Malls, nix wildes mehr.

Wir freuen uns schon auf zuhause und die ganzen Annehmlichkeiten die dort auf uns warten, wie z.B. ein vernünftiges Rohrsystem der sanitären Anlagen, trinkbares Kranwasser oder einfach keine brennenden Müllberge.

Bleibt es ein Fazit zu ziehen, in der Hoffnung, dass dieser Blogbeitrag (anders als die letzten Beiträge anderer Urlaube) auch den Weg ins Internet findet:

Lima:

reicht 1-2 Tage. Stadt haut nicht vom Hocker. Fussball gucken geht gut, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück.

Tour in den Süden bis Cusco runter: endlose (teilweise sehr nervende) Busfahrten. Dafür wird man leichter auf die Höhe vorbereitet, nutzt aber nur bedingt. Bis Cusco eigentlich nur Nasca wirklich interessant.

Cusco:

stabile Stadt, in der man als Backpacker*in gut versacken kann. Sowieso Dreh- und Angelpunkt für den touristischen Süden. Hätte uns noch ein paar Tage länger gefallen.

Inka-Trail:

once in a lifetime. Stolz es gemacht zu haben. Sollte ich (und Christin wohl auch) nochmal den Anfall bekommen und Machu Picchu nochmal machen zu wollen (schließe ich nicht aus, vielleicht in 30 Jahren oder so). Dann sicherlich als Tagestouri. Aguas Calientes machte auch einen netten Eindruck, die wenigen Stunden, die wir da waren.

Machu Picchu:

es wurde bereits alles zu gesagt

Tambopata:

für Regenwaldfans zu empfehlen. Muss nicht mit der Reise kombiniert werden. man bekommt einen guten Eindruck von der Vielfältigkeit des Landes.

Generell kann ich Peru bedingt weiter empfehlen (interessant eigentlich, so ein Fazit zu ziehen, bei den bisherigen Urlauben hieß es eher „müssen wir unbedingt wieder hin“). Man muss genau wissen, auf was man sich einlässt. Ich kann niemand übelnehmen, wenn er/sie auf einer Südamerikatour hier nur in Lima und Cusco ein paar Tage verbringt. Das wird der Vielfältigkeit dieses Landes nicht gerecht, den touristischen Gegebenheit jedoch allemal.

Vielleicht möchte Christin zustimmen oder gegenreden?

Christin: stimme Daniel zu! Cusco beeindruckt am meisten kulturell, Lima ist auch kulinarisch eine Wohltat, gerade was Fisch angeht!

Zuletzt möchte ich mich bei allen Leser*innen bedanken und bei allen, die entweder fleißig kommentieren (Mama, Papa, Gerald, Lena, Fan-seit-Tag-1-Klimi), oder uns auf andere Weise Rückmeldung geben (Oma&Opa Wiefelstede, Bärbel, Jonas, Berat). Küsschen an euch alle von der kleinsten Gang der Welt.

Inca Trail

Inca Trail Tag 1

Es liegt eine aufgeregte Stimmung in der Luft. Heute soll es nun also endlich losgehen. Die Tage vorher und auch heute beschäftigte sich unsere Reisegruppe mit Themen wie: habe ich richtig gepackt? Überschreitet mein Gepäck die 6 kg Grenze? Ab wann gibt es keine Toiletten mehr und wir müssen unser großes Geschäft im Inca Style im Busch machen? Kein Scherz, so ist es. Wer glaubt, dass es easy wird, hat sich geschnitten. Es ist eine harte Probe, das Dschungel Camp ist ein Witz dagegen.

Um 8 Uhr wurden wir von unserem Hotel in Ollantaytambo abgeholt. Vorher wurde ein letztes Mal bis Dienstag Abend geduscht. Alles rausholen was geht. Wir fuhren ca. 45 Minuten, bis wir an dem Startpunkt des Inca Trails ankamen. Unsere uns begleitende Crew nahm uns in Empfang, nun galt es in in die Dufflebag noch einen Schlafsack und eine Isomatte zu stecken. Es war also nicht übertrieben auf das notwendigste zurückzugreifen. Die Dufflebags wurden gewogen, sollte das Gewicht von 6 kg überschritten werden, muss der Rest von einem selbst im Tagesrucksack getragen werden. Das klingt logisch, ist aber logistisch echt eine Herausforderung: die Dufflebag selbst wiegt ca 600g, der Schlafsack 2,5kg und die Isomatte 1,5kg. Macht 4,6kg und somit 1,4 für einen selbst für 4 Tage. Ich würde behaupten, wir sind nun Minimalisten im packen. Zum Glück hat alles geklappt. Sichtlich aufgeregt wimmelten wir die um uns herumlaufenden Verkäuferinnen mit Halstüchern ab, die wohl auf den letzten Metern bei panischen Inca Trailern ein Geschäft wettern. Fakt: 2 von 15 unserer Gruppe haben zugeschnappt.

Nun sollte es also los gehen. Wir bekamen unsere Tickets und warteten mit unseren Ausweisen vor dem Eingang des Trails. Ähnlich wie beim Flughafen, nur ohne lange Befragung.

Wir liefen einen kurzen Weg, bis wir bei km 82 ankamen. Den offiziellen Startpunkt des Inca Trails. Wir besiegelten als Gruppe unseren Start mit unserem Schlachtruf „Pisco Disco!“ und einem Gruppenfoto.

Dann ging es endlich los. Nach 1 km hatte jeder von uns schon gefühlte 1000 Fotos gemacht. Alles schön, bloß nichts verpassen. Der erste Tag verlief sehr flach. Insgesamt hatten wir einen Anstieg von 350 Meter auf 11km. Ein idealer Einstieg. Wir lernten schnell, dass die Crew, bestehend aus 20 Portern, die unsere Sachen tragen, 2 Köchen und 2 Guides super schnell an uns vorbei flitzen. Jeder Porter trägt ca. 25kg. 20 von uns und 5 für sich. Das ist wirklich eine Menge!

Der erste Tag führt uns vorbei an vielen Häusern, die Getränke und Snacks verkaufen und noch eine ordentliche Toilette anboten. Glaubt mir, es ist einfach immer Thema. Bei knackigen 25 Grad auf 2700m Höhe kamen wir schnell ins schwitzen. Entlang von Flüssen und kleinen Bächen ging es vorbei an Eseln, die gemäldeähnlich vor malerischen Bergen grasten. Wir schauten uns nachgebaute Inca Dörfer an, die damals von den Spaniern zerstört wurden. Die Peruaner scheinen die Spanier wohl nicht so sehr zu mögen.

Inca Trail Tag 2

Die Nacht war eine Katastrophe. Wie haben uns wirklich sehr auf unser Camping gefreut. Ein gutes Zelt, Schlafsäcke, die bis minus 15 Grad aushalten und offline Netflix. Doch unsere Ruhe sollte gestört werden. Der 27. Juli ist der Unabhängigkeitstag Perus, der riesig gefeiert wird. Auch in dem noch so kleinsten Ort. So auch in Huayllabamba. In Peru scheint jeder eine riesige Anlage zu besitzen. Aus der Ferne entstand der Eindruck, als wenn eine riesige Bühne unweit unseres Campingplatzes aufgebaut wurde. Und ich sag euch: die Peruaner feiern ordentlich! Ausgemacht wurde die Musik um 5 Uhr morgens, zeitgleich mit dem Moment, in dem wir geweckt wurden. Ich erinnere mich, dass ich auf jeden Fall geträumt habe. Somit habe ich wahrscheinlich mehr geschlafen als Daniel. Unser Tag begann mit – wie wohl immer – mit pinkeln. Für den einen ein normaler Gang über den Flur, für uns im Dunkeln vorbei an einer Kuh auf ein Klo mitten auf der Weide. Kaaaaalt! In der Nacht hatten wir ca. -5 Grad. Die Wärme kommt erst mit der Sonne, genauso schnell wird es also auch wieder kalt wenn sie am Abend wieder verschwunden ist. In rund 45 Minuten erledigten wir unsere Katzenwäsche, packten unsere Dufflebacks und unsere Backpacker für den Tag. Um 05:45 wurden wir von der Crew mit Frühstück versorgt. Um ehrlich zu sein nicht so gut wie Lunch und Dinner. Porige, eine Art Pancake und Instant-Coffee. Hält warm, macht satt.

Gegen 06:30 brachen wir dann auf nach Paq‘aymayu. Egal ob soziale Medien, Reiseführer oder Vorbereitungstreffen: der zweite Tag soll der heftigste sein. 12 km liegen vor uns mit einem Anstieg von 1115 Meter bis 14 Uhr. So stiefelten wir los und stellten schnell fest, dass mein norddeutsches Wesen gut in flach und Strecke und beschissen in bergig und Höhe ist. Daniel war geübter und so trennten sich bis auf ein kurzes Treffen und die letzten zwei Stunden unsere Wege.

Es ist einfach eine unglaublich schöne Umgebung, das heilige Tal ist jeden Blick wert. Nach ca. 2-3 Stunden wurden meine Beine und meine Arme, na gut mein ganzer Körper einfach nur noch müde. Gestartet bei 3100 Meter waren wir inzwischen auf 3500 Meter angekommen. Ich war nicht dizzy, ich war einfach erledigt. Gepaart mit meinem sowieso emotionalen Wesen entschied ich mich kurzer Hand einfach mal zu heulen. Ich kann noch nicht mal sagen wieso. Es war einfach so. Vielleicht gehört es auch zum Inca Trail dazu. Vielleicht ist es auch deswegen das heilige Tal. So sagt man auch, es sei der ideale Platz für Reisende die nach Freiheit und innerem Frieden suchen, ein sehr ruhiger Ort, perfekt für Leute, die Yoga oder spirituellen Tourismus machen. Fühle ich mich angesprochen.

Ab ca 3800 Meter begleitete mich dann Silvia aus Linz, mit der ich folgendes Ritual bildete: 50 Schritte, 30 Sekunden Halt. Es war wunderbar! Wir brauchten ca 2-3 Stunden, um am berühmt berüchtigten Dead Womans Pass anzukommen. Oben auf dem Pass wartete seit einer Stunde Daniel, den ich ebenfalls erst einmal heulend begrüßte. Ich sag es euch: dieser Ort ist magisch. Wer die 4300 Meter geknackt hat, der wird diese Magie spüren. Einmalig. Geschafft! Silvia und mich hat es zusammen geschweißt, selten habe ich so intensive Gespräche nach so kurzer Zeit geführt.

Daniel und ich gingen ab dem Dead Woman‘s Pass zusammen weiter. Ab nun ging es abwärts, de Blick durch das Tal war fantastisch. Nun ging es wieder runter auf 3850 Meter, bedeutet: viele steinige Stufen. Endlich mal Zeit zu zweit. Das war schön.

Um 13:30 kamen wir auf unserem Camp Gelände an. Es ist wie ein kleines Dorf aufgebaut. Beim umziehen entdeckte Daniel eine Art Blutblase am Knie, was unser frisch gegründetes Dorf komplett beschäftige. Zum Glück sind in unserem Dorf ein Arzt und eine Krankenschwester aus Großbritannien ansässig. Es wurde entweder ein Moskitostich oder ein Zeckenbiss vermutet. Malaria und Bein ab waren weitere Möglichkeiten, inzwischen waren ca. 6-7 Dorfbewohner in Daniels Ding am Bein involviert. Dazu möchte ich sagen, dass wir vor dem Inca Trail diskutierten, welche Utensilien unserer Reiseapotheke wir mitnehmen sollten. Der Stick zum Entfernen von Zecken und Moskitos sowie der antiseptischen Creme sind nach längerer Diskussion im Hotel geblieben. Merke: höre auf deine Frau!

Langes Blabla: das Dorf applaudierte freudig, als die Blase sich als Moskitostich entpuppte. Daniel wurde ordnungsgemäß verarztet und wird wohl am meisten beim abreißen des Pflasters leiden.

Inca Trail Tag 3

Hallo, hier ist Blutblasen-Daniel und ich darf auch mal wieder Blog schreiben.

Der dritte Teil des Inca-Trails ist der längste. Dafür halten sich die Höhenmeter verteilt auf 16 km in Grenzen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es ein lockeres laufen wird, stattdessen hatten wir zwischendurch auf 6km 1000 Höhenmeter Gefälle. Also durften wir beim Treppensteigen auf unterschiedlichen Steintreppen unseren Gleichgewichtssinn testen und ein bisschen die Aussicht genießen. Man sagt, dass der erste Tag der Trails zu 20% Inca-Trail ist und der zweite Tag zu 60% Inca-Trail ist. Mit der Prozentangabe ist das feeling gemeint. Die ersten km des Trails sind von Pferden und Eseln plattgetreten, da einige Einheimische ein gutes Geschäft wittern. Der dritte Tag dagegen (90% Inka-feeling) bietet unberührte Landschaften, Wahnsinnsaussichten, verschlungene Wege und immer wieder kleinere Inka-Ruinen. Das waren meist Rasthäuser für Nachrichtenläufer (die Informationen wurden in der Inka-Zeit von Läufern überbracht, ähnlich wie stille Post), oder Wohnhäuser von Farmern, erkennbar an den dazugehörenden Terassen.

Selbst diese kleinen Ruinen waren schon sehr beeindruckend. Man muss bedenken dass die Inka keine Pferde und kein Rad hatten. Also wurde alles von Portern oder Llamas getragen (Alpakas wurden nur zum Essen gehalten). Es macht auf jedenfall alles ordentlich Spaß auf Machu Picchu.

Den ganzen Tag über fragten wir uns, wie weit es wohl noch ist, vom Prinzip her müssten wir nur noch so 7-10 km entfernt sein. Bei den unglaublichen Weiten hätte man es durchaus sehen müssen, aber zur Mystik dieses Trail gehört eben auch, dass man das Ziel erst am allerletzten Tag aus, vom bekannten Sun Gate aus, sieht. Wir haben den Berg auf dem Machu Picchu liegt, quasi dauerhaft von der anderen Seite gesehen. Somit haben wir uns also die Zeit damit vertrieben, die knapp 10 verschiedenen Farbübergänge der Anden zu analysieren: weiß, schwarz, Rostrot, Rot, Dunkelgrün, Mittelgrün, Hellgrün und so weiter. Kompletter Wahnsinn.

Gegen 17 Uhr erreichten wir unser Lager. Von der Lage sicherlich das schlechteste Lager, mussten wir doch an den Zelten von vielen anderen Gruppen vorbei laufen. Manche Zelte waren direkt neben der unbeschreiblich stinkenden „Toilette“ aufgebaut. Wir hatten wirklich Glück, dass unsere Zelte am Ende des Lagers aufgebaut waren, somit mussten keine Fremdenkarawanen an unseren Zelten vorbei stolpern.

Zum Abendessen zauberten unsere Wahnsinnsköche uns unter anderem salziges Popcorn, einen Kuchen, sowie, wir immer, leckeres veganes, vegetarisches und fleischhaltiges Essen. Und das alles in einer Küche zubereitet, die vor einer Stunde erst angetragen und aufgebaut wurde.

Nach dem Essen hat unsere Gruppe noch die Umschläge mit den Trinkgeldern vorbereitet. Wir haben uns größtenteils an den Vorgaben von g-Adventures gehalten. Bloß das Trinkgeld für den sexistischen Guide ist äußerst klein ausgefallen und das des weiblichen Co-Guides dafür umso höher. Das hat Mann davon, wenn man zu seiner Co-Guide sagt, sie könne sich ruhig mit einem Lapdance vorstellen, oder meint, unseren schwulen CEO Rod (unseren Hauptguide der gesamten Tour) immer wieder „aus Versehen“ mit weiblichen Pronomen zu belegen. Mit unserer Aktion konnten wir wenigstens eine Diskussion in der Gruppe anstoßen, mit durchaus unterschiedlichen Reaktionen.

Venceremos!

Inca Trail Tag 4

Es geht los, es geht los heute Nacht. Das Weltwunder muss gekreuzt werden, das Ziel für 4 Tage wandern und stinken und Zelten und sich quälen und ein bisschen weinen und ein bisschen rumschreien! Man merkt die Aufgeregtheit bei allen Beteiligten schon seit dem Vorabend und spätestens seit dem heutigen Tage sind alle komplett verrückt. Und das nicht im positiven Sinne. Unser Wakeup-call war um 3 Uhr in der Nacht. Unsere Porter müssen runter nach Agua Calientes (die Stadt von der aus die Tagestouris nach Machu Picchu gekarrt werden, um dort rechtzeitig den „Einheimischen Zug“ zu bekommen, der schon sehr früh fährt. Wenn man diesen verpasst, ist die Alternative, zur Fuß an den Bahngleisen nach Ollaytantambo zu laufen. 25km.

Entsprechend früh musste das Camp abgebaut werden und die Porter sind teilweise im Dunkeln die letzten km des Inka-Trails gerannt!

Der komplette Wahnsinn offenbarte sich allerdings als wir um 4:30 mit Kopflampen bestückt losgelaufen sind. Nach 10 min erreichten wir das Ende einer Schlange, die darauf wartet, dass der Check-Point, um auf die letzten km führt, um 5:30 öffnet. Dort standen also alle knapp 200 Inka-Trail-Touristen und ein paar Guides. Die vordersten in der Schlange waren bereits um 2 Uhr auf den Beinen!

Kaum öffnet der Checkpoint, folgt das nächste Kapitel in der ekelhaften Geschichte von Egoismus und genormten Individualismus. Jeder wollte der erste sein, den besten Platz beim Sungate ergattern, also wurde gedrängelt und an den unmöglichsten Stellen überholt und über Stock und Stein gerannt. Wir hoffen, niemand ist verletzt worden, und wenn doch, dann hoffentlich die Richtigen.

Die letzten 4 km liefen sich förmlich wie im Schlaf und auch der „Gringo-Killer“ eine 52-Stufige Steiltreppe, die teilweise auf allen Vieren bezwungen werden musste (auch hier wurde überholt, obwohl die meisten geduldig warteten, um den/die Vordermann/-Frau nicht zu gefährden), wurde zwar mit etwas meckern (ich hab versucht Christin hoch zu schieben, hab sie aber aus dem Gleichgewicht gebracht! Upsi!), aber letztlich doch überwunden. Noch etwas über Stock und Stein, Kurve links, Kurve rechts, dort an der Säule vorbei und plötzlich tut sich ein Tal vor mir auf. Auf dem gegenüberliegenden Berg, schräg als würde sie gleich runterrutschen, liegt sie. Noch im Schatten der umherliegenden Berge aber schon jetzt mystisch und anmutig: Machu Picchu. Die Stadt in den Wolken, von den Inquestadores niemals gefunden, die verlorene Stadt des Inkareichs, Weltwunder der Moderne. Die Säulen die wir grade passierten war das berühmte Sungate. Diesen Anblick auf die Stadt inklusive Bergpanorama hatten wir Inka-Trailies also exklusiv. Die Tagestouris hätten 1,5h von Machu Picchu weghiken müssen, um hier anzukommen (haben manche gemacht). Auch hier gabs wieder Gedrängel und geschubse. Jede*r wollte ein Bild machen, dafür wurden Anstellschlangen ignoriert und bei anderen Leuten durch die Bilder gelaufen. Also ist unsere Gruppe noch etwas weiter gegangen und hat an einem schönen Plätzchen auf dem Weg den Sonnenaufgang auf Machu Picchu angeschaut. Leutis, es hat sich gelohnt. Hängt Machu Picchu doch wegen der umherliegenden Berge meist im Nebel oder in den Wolken war heute blauer Himmel angesagt. Jackpot für uns!

Anschließend wurden die letzten Meter zurück gelegt und Machu Picchu in der Sonne betrachtet. Dort hat sich dann schon die komplette Touristenschwemme angesammelt, 3 Tage Ruhe und Abgeschiedenheit adé!

Zu Machu Picchu selbst möchte ich gar nicht so viel sagen. Ich sitze grade im Zug und denke drüber nach. Lange war dieser Ort Platz 1 auf meiner To-See-Liste fürs Leben und heute durfte ich dort durch laufen. Den Sonnentempel sehen und den Condortempel durchstreifen. Ich sah die Llamas auf den Terassen grasen. Und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass ich meinen Mitwanderer*innen recht geben muss. Diese schieren Menschenmassen, die sich dort durch schieben sind nicht feierlich. Warteschlangen um an einen Fotospot zu kommen, Touristen die offensichtliche Absperrungen „übersehen“ und dann zurückgepfiffen werden. Und doch sind wir selbst Teil des Problems. Wir machen die selben Bilder, für die wir in der Schlange stehen und zuhause erzählen wir nicht von den Terassen von Saqsaywuama, sondern vom Weltwunder. Welche Bilder laden wir hoch? Welche bekommen die meisten likes? Welches eine Bild fasst die 3 Wochen Peru mit 3 unterschiedlichen Klimazonen zusammen?

Wir sind Teil des Problems. Wir trampeln diesen Ort kaputt. Wir ärgern uns darüber, dass es nur noch vorgegebene Routen gibt, dass man sich nicht mehr frei bewegen kann in der Stadt und dass man seine Eintrittskarte Monate im Voraus holen muss. Und wir hätten es vor Monaten nicht anders gemacht als den ganzen Tag dort zu bleiben, durch jeden Tempel zu stapfen. Und wem will man es verbieten diesen Ort zu sehen? Leute die sich nicht mit der Kultur auseinander setzen? Leute die zu alt oder zu langsam sind und deswegen die Schlange an den Treppen aufhalten? Und wer soll darüber richten? Alles unsinnige und dumme Gedanken. Eine Lösung für das Problem hab ich nicht, ihr etwa? Man kann es nur akzeptieren und sich im Vorhinein im Klaren sein, was passiert, wenn man ein „Weltwunder“ besucht.

Ich möchte aber noch eine „lustige“ Geschichte erzählen, damit es hier kein unwürdiges Ende nimmt: ich habe euch vor einigen Tagen Mist erzählt: Picchu heißt nicht „jung“ sondern „Berg“. Machu Picchu somit „alter Berg“ (macht auch irgendwie mehr Sinn). Und so ist die Geschichte dazu:

Wieso haben die Spanier nie Machu Picchu gefunden? Weil die Inka einfach die Straßen nach Machu Picchu zerstört haben. Dazu die berglage und etwas versteckt und schwupp die wupp war die Stadt n paar hundert jahre lang unbekannt.

Ein amerikanischer Professor namens Bingham hat sich Anfang des letzten Jahrhunderts mit der Inka Kultur beschäftigt und immer wieder von der „verlorenen Stadt der Inka“ gehört. Da hat sich der alte Bingham gedacht „jau, die such ich jetzt mal“, gesagt, getan und was gefunden. Bingham freut sich und denkt „hmm das aber klein für ne Stadt“ und realisiert, er hat quasi nur so eine Chillout-unterwegs-Kneipe für die Nachrichtenrunner gefunden. Da war er traurig. Geht in die nächste Kneipe bei Agua Calientes und spricht zufällig mit Alvarez dem alten Farmer und sagt „ich finde die alte Ruinen-Stadt nicht“.

Darauf der alte Alvarez so: „Öööhm ja, kein Plan, ich bewirtschafte so Terassen am Rande von n paar Ruinen“

Darauf der gewiefte Bingi: „öööhm ja, kein Plan, kannste mir die ma zeigen äwwäentuell??“

Darauf Alvarez: „puuh ja, kein Plan, eigentlich keine Zeit, aber mein Sohn, der Alvarez Junior im Alter von 11 Jahren passt auf die Tiere da oben auf, aber dann bekomm ich ein Sol von dir“

Sparfuchs-Bingham dann: „Joa, von mir aus, sind ja nur knapp 23 Eurocent, dann soll mir dein Filius den Weg ma zeigen.“

Ich übernehme jetzt keine Garantie für historische Richtigkeit des Dialogs, aber dabei ist der Satz gefallen: „wenn du nach Machu Picchu gehst, wirst du die Ruinen finden“ dabei wurde mit Machu Picchu der Berg gemeint, also „wenn du auf den alten Berg gehst, wirst du die Ruinen finden“. Zack und schwupp, so kam nachher der Name zustande.

Der Sohn von Alvarez zeigte Bingham darauf hin die Ruinen und Bingham dann „ich hab die gefunden“ und Alvarez so „whaaaaat??“ aber Bingham hat schon „meins“ gesagt und sich an die Nase gefasst, daraufhin hat er Machu Picchu fotografiert und bei Facebook hochgeladen und schwuppdiwupp schon wars bekannt. Wurde dann noch bisschen von Unkraut befreit und ne Zugverbindung gebaut und so, aber im groben und ganzen wars das: Bingham hat Machu Picchu stibitzt, viel Gerümpel von dort nach Amerika geschafft und es so bekannt gemacht.

Bienvenido a Cusco

Am Donnerstag sind wir um 05:45 mit dem Nachtbus in Cusco angekommen. ENDLICH! Wieso? Dafür gibt es mehrere Gründe.

1.in Cusco bereiten wir uns nun endlich auf den bevorstehenden Inca Trail vor. Wir bekommen alle Infos, packen unsere Sachen dort und werden mit kleinem Gepäck diese Stadt am Freitag verlassen und erst am Dienstag wiederkommen.

2.diese Busfahrt war ungeplant. Die Streiks in Peru dauern an, die regulär geplante Fahrt am Donnerstagmorgen konnte nicht garantiert werden. Wir hatten das Glück in der ersten Klasse zu sitzen. Das war allerdings nur ein Abteil das abgeschirmt war, vom Komfort her tat sich nix. Zusätzlich durften wir noch die Neuauflage von Baywatch mit Hottie Zack Afron gucken, ich habe mich sehr gefreut! Allerdings schien der Fernseher eine Art Kurzschluss verursacht zu haben, so dass wir auf unserer 11 stündigen Fahrt immer wieder ein Geräusch hörten, was dem eines nicht richtig drin steckenden Kabels ähnelt. Ungefähr so: krrrrttzzzz. Und das immer wieder die ganze Nacht. Es raubte Daniel den Schlaf und mir den Verstand.

3.endlich raus aus dirty Puno und rein in beautiful Cusco. DIE Stadt in mitten des Heiligen Tals ist einfach bezaubernd und erklärt wunderbar die Grundlagen der Inca.

So warteten wir also um kurz vor sechs am Morgen auf den Großteil unserer Gruppe, die in einem anderen Bus saßen. Es dauerte zum Glück keine halbe Stunde, da war Team Pisco Disco wieder vereint. Wir fuhren dann in einem Mini-Bus zu unserem Hotel, dass inmitten der historischen Altstadt liegt. Glaubt mir: unser aller Wunsch war es, einfach mal vernünftig zu schlafen und auch auszuschlafen. Spoiler: hat nicht funktioniert.

Wir verabredeten uns dann für 10, um gemeinsam in einem Town Walk die Stadt zu erkunden. Wir liefen durch die Altstadt, wo es die ersten Hinweise auf das Inca Leben inform von Gebäuden gibt (Daniel, gib mal Wissensfutter!)

An jeder Ecke gibt es Souvenirshops, Hostels und Englisch scheint keine allzu fremde Sprache zu sein.

Nachdem es in den letzten Tagen immer nur Carbs mit Carbs gab, entschieden wir uns für Falafel zum Lunch. Leudies, ich sag euch: nicht nur die Avocado, auch Quinoa ist hier beheimatet. Es ist günstig (hier in Peru, nicht in Deutschland), kann den Welthunger stoppen (ist deswegen ausgezeichnet worden!) und ist so vielseitig einsetzbar. Gut, dass wir noch Platz im Koffer haben!

Nachmittags haben wir dann noch ein bisschen die Stadt erkundet und sind dann ins Hotel, haben das gute WLAN genutzt und einfach mal entspannt. Kurze Info für Barbara, die uns per WhatsApp noch vor dem Inca Trail gutes WLAN, gutes Bett und und gutes Badezimmer gewünscht hat: das mit dem Badezimmern ist immer so eine Sache in Peru. Warmes Wasser ist keine Garantie, in Cusco fällt das Wasser generell mal öfter aus und die Badezimmer entsprechen nicht unbedingt dem Standard, den man sich als German Potatoe vorstellt. Es langt und wir werden sauber.

Am Abend fand dann unser Vorbereitungstreffen für den Inca Trail im G Adventures Headquarter statt. Hier wurden wir über den kompletten Ablauf, die Strecke, die Verpflegung und die sanitären Einrichtungen informiert. Für uns alle wird der Trail eine echte Herausforderung. Auch wenn wir insgesamt nur 44 km wandern, wandern wir an manchen Tagen 1100 Meter hoch. Außerdem gibt es ab Tag 2 des Trails keine richtigen Toiletten mehr. Auf dem kompletten Trail wird es keine Duschen geben. Zum Glück werden wir gemeinsam stinken.

Was uns richtig stört, ist dass wir als Hiker scheinbar nicht bevorzugt beim Einlass von Machu Picchu behandelt werden. Im Gegenteil. Wenn Mensch als normaler Touri am Morgen von dem Eingang steht, bekommen diese den Vorrang. Fragt man sich, wofür wir uns drei Tage zuvor quälen.

Anschließend sind Daniel und ich wieder ins Hotel, am Donnerstag steht der Hiking Trip auf die Rainbow Mountains an. Hier die Aufklärung des Spoileralarms: der Bus ging bereits um 3 Uhr nachts. Wieder nix mit ausschlafen.

Donnerstag: Rainbow Mountain und Cusco

Daniel:

2 Tage ohne richtigen Schlaf und dann um 3 Uhr aufstehen. Da hat mein Körper mit heftigen Kopfschmerzen reagiert. Also bin ich der Vernunft gefolgt, habe die 50€ für den Trip (Spoiler: ich musste doch nicht bezahlen) in den Wind geblasen und bin wieder ins Bett gestiefelt, und dass, obwohl ich schon angezogen vor dem Bus stand. 5 Stunden Schlaf später sah die Welt schon besser aus. Beim Frühstück habe ich dann noch die wenigen Leute unserer Gruppe (inkl. Guide) getroffen, und mich spontan ihrem Tagesplan angeschlossen: Inka-Ruinen Sightseeing rund um cusco. Da ich mittlerweile im Zelt auf dem Inkatrail liege, hier nur ein sehr kurzer Abriss:

Taxifahrt für 1,20€ pro Nase, 15 min den Berg hoch und zur letzten von 4 archäologischen Stätten gebrettert, dort für 20€ n Ticket gekauft für alle 4 und anschließend bis 15 Uhr nachmittags die Ruinen abgeklappert und dabei wieder Richtung Cusco zurück gewandert. Dabei alte inka-Tempel, Inka-Arenen und Inka-Chilloutareas gesehen. Schwer beeindruckend. Im Prinzip sieht’s so aus, wie wir Machu Picchu von Bildern kennen, nur kleiner und halt etwas zerstörter.

Während wir also an der Landstraße entlängs schlendern (die 4 Ruinen, für die man nur ein Kombi-Ticket kaufen kann, sind natürlich nicht auf direktem Wege miteinander verbunden), sehen wir emsiges Treiben auf dem Hinterhof zwischen 2 Häusern. Da unser Guide nicht nur spanisch, sondern auch ketschua (noch checken wie das geschrieben wird :D) spricht, konnten wir dem Treiben zuschauen und es stellte sich heraus, dass es Hochzeitsvorbereitungen waren. Da ich keine Fotos machen konnte (außer eins) weil ich das für sehr unhöflich hielt, und die Menschen dort auch nur gegen Geld Fotos machen ließen, muss ich es euch beschreiben:

Treiben heißt in diesem Fall: die Männer (ca. 40) schlachten Schweine und die Frauen (ca. 40) schlachten Meerschweinchen. Also Griff in den Sack voll lebender Meerschweinchen, Hals umdrehen, weitergeben, Fell rupfen, weitergeben, sauber rasieren mit einer Rasierklinge, weitergeben. Krasser scheiss. Die aufgeschnittenen Schweine lagen neben dem Fußballfeld auf einer Plane und hinterm Tor lag ein Haufen Schweineköpfe. Ziemlich kranker scheiss, vorallem wenn man bedenkt, dass der Boden unglaublich verdreckt ist und die Sonne angenehm ballert.

Gegen 16 Uhr war ich wieder am Hotel und traf direkt auf Christin. Fast wie abgesprochen, so musste sie nicht lange warten, weil ich den einzigen Zimmerschlüssel mitgenommen hatte.

Christin:

Tja, da stand ich um 3 Uhr nachts also in der Lobby und fuhr ohne Daniel zum Rainbow Mountain. Eine der Erfahrungen, die wir unbedingt zusammen machen wollten. Es war schon merkwürdig, wäre es auch unlogisch gewesen, wenn wir beide im Hotel bleiben würden.

So ist der Großteil unserer Reisegruppe also mit einem Transporter zum Rainbow Mountain gefahren. Alle Plätze waren besetzt, alle waren todesmüde. Der Beifahrer teilte uns freundlicherweise mit, dass wir die 2,5 Stunden doch ruhig für einen weiteren Nap nutzen sollten. Das wäre wirklich toll gewesen, wenn nicht gerade er sich ununterbrochen mit dem Fahrer unterhalten hätte. Und zwar in Zimmerlautstärke!

Somit sind wir leicht erledigt an dem Startpunkt unserer 10 km langen Wanderung angekommen. Es es kam das, was wir im Juli am wenigsten erwarten: Schnee. Überall Schnee. Es war wirklich wunderschön! Wir sind dann mit Wanderstöcken ausgestattet los und machten unserer ersten Erfahrungen in Vorbereitung auf den Inca Trail. Die größte Herausforderung lag in der Höhe. Der berühmte Berg geht bis auf 5200 Meter hoch. Eindeutig nicht zu unterschätzen. Man möge sich vorstellen, dass jeder Schritt super anstrengend ist, der Sauerstoffversorgung in Gehirn macht jede Bewegung zur Qual. Nach 10 Metern braucht man erst einmal eine kurze Pause zum klarkommen, die Wanderstöcke boten eine ideale Stütze.

So kamen wir gegen 09:30 auf dem höchsten Punkt des Berges an. Die Schneedecke hat sich in den Höhen zum Teil aufgelöst, die farbenfrohen Streifen des benannten Rainbow Mountains waren klar erkennbar. Leider konnte ich Daniel nicht mitteilen, dass sich der Tagesausflug gar nicht gelohnt hat.

Ich bin unglaublich stolz auf mich, dass ich diese Höhe gemeistert habe. Ich bin stolz, dass ich meine Ängste überwunden habe und dass ich meine Grenzen austesten konnte. Auf dem Gipfel hat unsere Gruppe noch gemeinsam ein Abschlussritual vollzogen. Es war ein wenig wie eine angeleitete Meditation, eine Möglichkeit für einen Moment inne zu halten und Bewusstsein zu schaffen. Hat geklappt, bei zwei Mädels unserer Gruppe kullerten ohne ersichtlichen Grund danach die Tränen. Eventuell war ich eine davon.

Der Rückweg gestaltete sich wenig spektakulär, alle waren etwas übermüdet und haben viel Quatsch geschnackt. Als wir um 15:30 im Hotel waren, wusste ich, wofür ich besonders dankbar war und was mir dieses Erlebnis gezeigt war und glücklich, Daniel dies direkt mitzuteilen.

Am Abend ging es dann ans packen. Es gestaltete sich schwerer als gedacht, die Vorgaben für die Dufflebags einzuhalten. Kaum waren Schlüpper und Ersatz-Tshirt eingepackt, waren die 1,4kg schon fast erreicht. Nach einigen Rückfragen war unser Gepäck für die nächsten 4 Tage gepackt, es fühlte sich einigermaßen ausreichend an. Wir beendeten den Tag mit Pizza auf dem Hotelzimmer und Netflix. Wieder ging es anschließend früh ins Bett, um 8 Uhr soll es schließlich am nächsten Tag wieder losgehen.

Freitag: Ollantaytambo

Das frühe aufstehen nimmt kein Ende. Dieses Mal waren wir aufgeregt. Heute fahren wir nach Ollantaytambo, ein Ort der unweit vom Startpunkt unseres Inca Trails ist. Bevor wir dort angekommen sind, führte uns der Weg auf die ersten Inca Spuren. Eine ideale kulturelle Vorbereitung auf den Trail.

Den ersten Stopp haben wir in einer Weberei, die von G-Adventures supportet wird. Uns wurde gezeigt, wie Alpakawolle gereinigt wird und aus natürlichen Zutaten wie Mais, Kartoffeln usw. die Farbe auf die Stoffe kommt. Ein tolles Projekt, was gleich zum Kauf eingeladen hat. So deckten wir uns für den Inca Trail mit Handschuhen und einem Schal als, alles aus Alpaka-Lama-Mix.

Weiter ging es mit dem Bus zum nächsten Halt. In Cuyo Chico wurden wir in die unterschiedlichen Handwerkstechniken der Inca eingeweiht. Vom herstellen von Lehmziegeln mit Stroh ist zum Beispiel Hand- bzw. Fußarbeit. Ein bisschen wie bei der Weinherstellung wird mit den nackten Füßen geknetet was das Zeug hält. Außerdem bekamen wir die Herstellung von netten kleinen Mitbringseln gezeigt. Alles in allem nett, aber nicht das Highlight des Tages.

Danach kam es allerdings faustdick. Huchuy Quosco liegt mitten im fruchtbaren Tal, alles blüht. In einem G-Adventures eigenen Restaurant bekamen wir das bisher beste Essen des gesamten Trips. Das Haus war mit bodenlangen Fenstern und hellem Holz ausgestattet, wirklich wunderschön.

Wohlgenährt starteten wir auf die letzten km bis zu unserem Ziel. In Ollaytantambo angekommen, bezogen wir flux das Hotel und brachen direkt auf, um auf den Hausberg zu klettern.

Das erste warm-up für den morgigen Inca-Trail. Es wurde die Aussicht auf die Stadt genossen, sowie ein bisschen Quatsch im Kreise der Gruppe gemacht.

Als die Sonne solangsam Richtung Berg wanderte, scheuchte uns ein Mitarbeiter des Ministeriums (das sagte jedenfalls seine Jacke) von Berg runter. Wir haben gar nicht drüber nachgedacht, aber im Dunkel dort wieder runter zu müssen, hätte auch brenzlig ausgehen können.

So, das erste Outfit für den inkatrail ist schonmal durchgeschwitzt. Mit fixer Handwäsche und Föntrocknung noch schnell das gröbste gerettet und das letzte vernünftige Bett für die nächsten Tage genossen.

Fußball in den Anden

Local Kids + Typ im grünen Trikot gegen

G-Adventures Group Pisco Disco

1:1

45 Zuschauer*innen

Mit Blick auf den Titicacasee ergab sich für unsere Reisegruppe die Möglichkeit, auf dem Schulhof der Grundschule gegen eine Handvoll einheimischer Kids zu spielen.

Auf 3800 Metern Höhe, auf Betonboden sind die einheimischen Kids bisher ungeschlagen. Aber ich habe meine Schalke Bundesliga 1996-1997 Socken an, also hab ich die Hose hochgekrempelt und die Socken hochgezogen, damit hier gar kein Zweifel aufkommt, wer hier auf dem Platz steht.

Nach kurzem Shake-Hand ging’s dann schon los. Rory, unser britischer Rechtsaußen, starte gleich im Vollgas durch. Ein junges Talent von 17 Jahren, in England sicherlich in einer Reihe mit Raheem Steeling, Leroy Sané und Jonjoe Kenny zu sehen, der nach 2 Sprints aber auch direkt platt war, da hat er die Höhenluft unterschätzt. Und auch ich tat mich schwer. Fürs Höhentrainingslager wurde der Außenverteidiger von Kickers Ückendorf kurzfristig ausgeliehen, hat sich zunächst aber auf die 6 orientiert, um das Spiel zu sortieren. Und das war auch bitter notwendig, denn die peruanischen Kids gaben direkt Vollgas. Doch unsere irische Innenverteidigerin und unsere kanadische Torhüterin hielten dem Sturmlauf stand. Entlastungsangriffe liefen meist über Brandon. Der junge Kanadier hat sich im Sturm immer wieder angeboten, stand aber oft gegen 2-3 verteidigende Kids. Auch klappte das Zusammenspiel oft nicht gut, klassische Verständigungsprobleme bei der international zusammengewürfelten Truppe! Da hatten es die Kids einfacher und erzielten nach knapp 15 Minuten das 1:0. Nach einem Einwurf, der eigentlich für die andere Seite hätte gegeben werden müssen und einem anschließenden Flankenlauf, bei dem der Ball die Außenlinie deutlich überschritt, stand am zweiten Pfosten der kleine Stürmer frei, unsere kanadische Torhüterin kam zu spät und die Führung fiel (irregulär, aber) verdient.

Anschließend fand die Pisco Disco Truppe besser ins Spiel. Der so eben von Aachen nach Mainz gewechselte Linksverteidiger Sebastian schaltete sich immer wieder offensiv mit ein und hatte eine gute Kopfballchance, mit der er leider das Tor verfehlte.

Die Zeit rannte und wir lagen immer noch im Rückstand, es wurde dringend Zeit, dass die ganze Erfahrung von 10 Jahren Kreisliga zum Einsatz kam, also orientiere ich mich auf den Libero und forderte von unseren Abwehrspielern den langen Ball. Hoch und weit bringt Sicherheit. Lang Holz. Das war die Chance für mich. Im Kopfballduell konnte ich mich gegen meinen 20 cm kleineren Gegenspieler durchsetzen und den Ball aufs Tor bringen. Leider war er viel zu hoch. Über den Tor hing jedoch ein Basketballkorb, von dem aus der Ball ins Feld zurückprallte. Eine zweite Kopfballchance ergab sich und ich musste aus 2 Metern den Ball nur einnicken. Da war der Ausgleich! Die Neuverpflichtung von Kickers Ückendorf sorgte mit einem Kopfballtor für den Ausgleich, die Hälfte der angereisten Supporter waren aus dem Häuschen! Zuhause glaub mir niemand, das ich ein Kopfballtor gemacht habe! Kurz danach musste das Spiel abgebrochen werden. Die Sonne ging soweit unter, dass man den Ball kaum noch sehen konnte. Das Pisco Disco Team ist stolz, dass es einen Punkt von Titicacasee entführen konnte, während die Kids sichtlich geknickt waren.

Kontinente auf denen ich ein Tor geschossen habe: 2

Von Arequipa nach Cusco

Samstag: Arequipa nach Colca Canyon

In Peru, in Peru in den Anden…

Heute geht es in 25er Minibus durch das Gebiet des Colca Canyon. Vom Reisefeeling etwas wie Australien! Doch fangen wir vorne an.

Beim aufstehen kratze mein Hals und meine Nase ist zu. Dafür gehts Christin besser. Glücklicherweise haben wir sämtliche Medizin von Christin ja schon, die ich mir jetzt rein knallen kann. Nach dem Frühstück ging es auch direkt los, ich schlief noch das erste halbe Stündchen im Bus, während selbiger sich die Anden hochquälte. Nach nem kurzen 1,5km Hüpfer in die Höhe haben wir den ersten kurzen Stopp im Hochplateau auf knapp 4000 Meter gemacht um dort die umliegenden Vulkan, sowie die Flora und Fauna zu bestaunen.

Die beiden umliegenden Vulkane heißen „Misti“ und „Picchu Picchu“. Dazu folgende Story: in der Inka Sprache gibt es keinen Plural, statt dessen wird das Wort einfach doppelt genannt. Picchu heißt jung, somit heißt der Vulkan „jung jung“, oder „sehr jung“.

Weil ich eure Gedanken lesen kann, weiß ich, dass ihr euch jetzt fragt, was Machu Picchu heißt: Machu heißt „alt“ somit ist Machu Picchu „alt jung“. Verrückt oder? Zum Schluss noch was lustiges:

Man spricht das Wort Piktschu aus, weil es ja auch mit Doppel C geschrieben wird. „Pitschu“ dagegen würde Penis heißen. Wenn ihr also statt von „matschu Piktschu“ von „matschu pitschu“ sprecht, sprecht ihr von einem alten Penis. HÖHÖ!

Fehlt noch die Flora und Fauna des Colca Canyon Gebiets. Ihr kennt sicherlich alle die Bilder von grasenden Llamas und Alpakas, die im Moment ja einen Siegeszug durch die Popkultur machen, dass jedes Einhorn vor Neid erblasst. Im Colca Canyon sind dagegen mehr Hochland-Vicuñas unterwegs. Sie sehen aus wie die kleinen Geschwister von Llamas, und haben ausschließlich hellbraunes Fell, während Llamas und Alpakas in mehreren Farben vorkommen und deutlich zotteliger sind.

Das Colca Canyon Gebiet ist ein Reservoir für Vicuñas (bedenkt: ñ spricht man NJ aus, wie das GN in Champagner).

Die Wolle der Vicuñas eignet sich hervorragend für Textilen, wer also das Peru-Feeling für Zuhause haben will, ohne die Strapazen des Flugs, der kauft sich einfach ein paar Vicuñas-Socken. Die liegen preislich mit knapp 850€ pro Paar, ungefähr bei nem Hin- und Rückflug nach Peru!

Wenn wir jetzt entsprechende Signale von unserem Oberbürgermeister erhalten würden, dass wir die Rungenberghalde um 3800 Meter aufschütten könnten, würden wir so ne Herde Vicuñas stibitzen und als städtischen Eigenbetrieb die Wolle verarbeiten. Frank, du hast meine Handynummer!

Den nächsten Stop haben wir bei einer Tasse Inka-Tee gemacht gegen Mittag. Wir sind mittlerweile auf knapp 4200 Metern, das Atmen fällt deutlich schwerer und die Sauerstoffsättigung im Blut sinkt von 95% auf unter 90%.

Achso, ich vergaß euch von der Flora zu berichten: hier wachsen nur noch kleine Sträucher, Wiesen und Moose, also top Bedingungen für die Alpakas und ihre Gang.

Das Bild wird außerdem regelmäßig von Müll am Straßenrand vervollständigt, das in Peru überall zu sehen ist. Bei dem fehlenden Sauerstoff hier oben ist es aber natürlich auch nur mit größter Anstrengung verbunden, seine verdammte Plastiktüte die scheiss 3 Meter zurück in seinen beschissenen Bus zu schleppen.

Auf knapp 4350 Meter Höhe hat es nicht nur leicht angefangen zu schneien (bedenkt: gestern liefen wir noch in kurzen Sporthosen rum) sondern wir haben auch direkt Halt bei einer Llama/Alpaka-Gang gemacht.

Jetzt kommt kurz wissenschaftliches Blabla, ihr könnt aber auch einfach zu den Fotos weiter scrollen:

Also, Llamas haben haarige Beine, und haarige Hälse, dadurch sind sie von Alpakas zu unterscheiden. Außerdem läuft bei Llamas der Schädel an der Schnauze spitz zusammen, während der der Alpakas abgerundet ist. Soviel zur Wissenschaft, die Unterscheidung fällt in der Realität aber recht schwer, zumal es Llama-Alpaka-Hybriden gibt, die selbst keine Nachfahren zeugen können und deren Namen ich mir nicht gemerkt habe, die beide Merkmale aufweisen.

Noch etwas zur Aussprache: das doppelte L von Llama wird im spanischen (denkt am Mallorca) wie ein ij ausgesprochen, also sind es quasi „Ijamas“.

Doch genug bla bla, hier kommen die Fotos

… war ne Kuh, war ne Kuh, konnt nicht landen …

So genug der seichten Unterhaltung, kommen wir wieder zum Bildungsaspekt von Feldmark International, dem weltweit zitierten Reiseblog Nr. 1 in wissenschaftlichen Fachmagazinen!

Ihr fragt euch bestimmt, wie die alten Inkas das in der Höhe nur ausgehalten haben, Tag ein, Tag aus, Trepp rauf, Trepp runna: es liegt an den Blättern der einheimischen Coca-Pflanze. Ja genau die aus der man Coca-Cola oder auch Cocain herstellen kann. Der Saft der Blätter hat eine beruhigende Wirkung, verringert die Symptome der Höhenkrankheit (Kurzatmigkeit, trockene Lippen, laufende Nase, Schwindel Gefühl und Apetitlosigkeit. Jeder hat diese Symptome, bei manchen mehr, bei manchen weniger), weitet die Lungen zur Sauerstoffaufnahme und wird hier in Form von Tee getrunken oder direkt die Blätter ein die Backe geschoben und der Saft „herausgenuckelt“. Wir haben uns alle in Arequipa mit einem Beutelchen eingedeckt. Dazu gabs einen Klotz gepresster Bananenasche (oh Gott, ich hoffe ich habe das richtig verstanden) wovon man sich immer ein kleines Stück für den Geschmack abzwackt, weil Coca-Blätter an sich relativ bitter schmecken.

Im Nachgang müssen wir feststellen, das dies sicherlich kein Allheilmittel ist. Ein paar Minuten später sind wir nämlich am höchsten Punkt unserer Reise angelangt, einem Ausblickpunkt auf 4910 Metern über dem Meeresspiegel, der mir den kompletten Knock-out gegeben hat. Als der Bus hielt bin ich raus gegangen und bereits nach einer Minute sind meine Knie weich geworden, mir wurde schwindlig und heiß. Also hab ich mich der Höhenkrankheit ergeben und mich in den Bus gelegt. Dass der schnelle Anstieg Auswirkungen auf den Köper hat, war mir klar, aber durch die Busreisen sind wir ja deutlich langsamer hochgekommen, als Reisende die beispielsweise von Lima direkt nach Cusco fliegen. Kondition, Konstitution und Alter scheinen dabei auch völlig nebensächlich zu sein. Christin hat die Höhe jedenfalls deutlich besser weggesteckt, hat dann aber auf dem Weg runter zu unserer Unterkunft in Chivay massive Kopfschmerzen bekommen. Mir ging es dagegen besser, je tiefer wir kamen. In Chivay auf 3651 Metern verbrachten wir dann die Nacht im dem wohl kuschligsten Bett von ganz Peru. Vorher ging ich noch essen, Christin ging früh schlafen. Sie verpasste dadurch nicht nur ein leckerer essen aus Alpakafleisch mit Vorspeisensuppe für umgerechnet faire 8€, sondern auch eine peruanische Band und traditionellen peruanischen Tanz. So genau hab ich’s nicht verstanden aber am Ende lag der Mann mit Teufelsmaske auf dem Boden und wurde von der Frau im traditionellen Gewand ausgepeitscht und kurz danach wurden die Rollen getauscht. War jedenfalls ne top Show!

Sonntag: Durch den Colca Canyon nach Puno

Wenn man schon ein gemütliches Bett hat, dann hat man wenigstens ne scheiss Nacht mit Nase zu, Kopfschmerzen und 5:30 Uhr aufstehen. Nach spärlichem Frühstück ging’s um 7 Uhr wieder in den Bus und weiter den Canyon lang. Bei fast wolkenlosem Himmel konnten wir den zweit größten Canyon der Welt betrachten (den Fact hab ich irgendwo aufgeschnappt und ohne zu recherchieren einfach weiter gegeben, da ihr Süßis aber den Blog eh im Büro lest, könnt ihr ja mal googeln und die Antwort in die Kommentare schreiben!).

Nach etwas rumgejuckel mit Aussicht haben wir am Cruz del Condor Stopp gemacht. Der Andencondor ist im ausgewachsenen Zustand mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,80 Meter der größte Vogel der Welt (Faktencheck?). Die Jungtiere haben bräunliches Gefieder und bekommen erst nach 10-13 Jahren die typische schwarz-weiße Farbe. Wir haben jedenfalls insgesamt ca. 10 dieser Viecher gesehen, allerdings hauptsächlich Jungtiere. Da diese aber teilweise sehr nah bei uns waren, kann man sich vorstellen, was das für Brecher werden. Auf den kommenden Bildern kann man hoffentlich dann auch die unglaublichen weiten und Tiefen des canyons erkennen. Und dies ist nur kleiner Abschnitt! Natur pur!

Etwas noch zu den „Terassen“ im Canyon. Diese wurden bereits von den prä-Inka-Kulturen angelegt, um am Hang Landwirtschaft betreiben zu können. Als die Inka sich dann das gesamte Gebiet unter den Nagel gerissen haben (irgendwann so 1400), haben sie die Terassen übernommen, vergrößert und weiterentwickelt. Also: kleine Terassen = Präinka, große Terassen = Inka

Mittlerweile werden diese immer noch bewirtschaftet, jedoch nur noch knapp 3000 von insgesamt 10000 Hektar, weil einfach die Arbeitskräfte fehlen. Die Familien übergeben das Land von Generation zu Generation und orientieren sich beim Anbau an den Regen- und Trockenzeiten. Wenn diese, wie vorletztes Jahr, statt 2 Monate nur 2 Wochen, oder wie letztes Jahr, ganze 4 Monate beträgt, geht natürlich relativ viel Ernte den Bach runter. Und jetzt freuen wir uns alle zusammen, dass unsere Jobs ein geregeltes Einkommen generieren.

Aber eine Geschichte hab ich jetzt noch. Auf dem Weg ist ein Tunnel mit 850 Metern Länge. Die Einheimischen sagen, dass man während der Durchfahrt die Luft anhalten muss. Wenn man das schafft, hat man einen Wunsch frei. Also haben wir alles gegeben und sind fast gestorben, aber wir haben es geschafft! Und was habt ihr bisher dafür getan, dass wir dieses Jahr Meister werden?

Jetzt fahren wir den selben weg aus dem Canyon wieder raus, beudetet, dass wir gleich wohl wieder an dem KO-Spot ankommen, mal schauen ob ein Tag in dieser Höhe reicht, damit wir gleich nicht wieder umkippen! Stay tuned!

(Christin) Daniel hat es geschafft! Ohne Probleme konnten wir nun die Aussicht genießen, wobei genießen übertrieben ist, wir hatten schon Respekt vor der Höhe und entschieden und nach bereits 3 Minuten wieder in den Bus zu steigen. Laaaangsam, bloß kein Risiko eingehen.

Wir machten uns dann auf dem Weg nach Puno. Zwischendurch machten wir zwei Stopps, den ersten in Maca, wo wir nur kurz von der Kaktusfrucht probieren wollten, plötzlich aber einen Drink mit einem ordentlichen Schuss Allohol bekommen haben. So ein Ärger aber auch!

Einen Halt weiter machten wir an dem Ort, wo wir den Tag zuvor Inca-Tee getrunken haben. Wir deckten uns mit Sandwiches ein, da nun eine fünfstündige Fahrt ohne Stopp anstand. Sorry Jonas, dieses Mal habe ich leider kein Foto für dich.

Der Weg nach Puno war malerisch. Hier und da grasten ein paar Llamas, die Gebirge wurden wieder grüner, es floss wieder Wasser. Wie Daniel ja schon sagte, hatte die Route an diesen Tagen sehr stark Ähnlichkeit mit Australien. Bedeutet: lange Bustouren, viel lesen und immer wieder unterbrechen, rausschauen und die Landschaft genießen. Der Colca Canyon beeindrucken durch die Weiten, seht selbst.

Am Abend erreichten wir dann Puno, eine Stadt, die wohl für viele Touristen auf dem Weg nach Cusco einen typischer Halt bietet. So ist die Innenstadt, die aus einer Hauptstraße besteht, überfüllt mit Restaurants, vor jedem Lokal steht jemand mit geöffneter Speisekarte heißt die Fremden herzlich willkommen. Allerdings reden sie trotzdem weiter, obwohl man nett „no, gracias“ sagt und weitergeht. Der nächste spricht einen dann 3 Meter weiter an, und so weiter und so fort. Wir haben dann den Abend mit der Reisegruppe ausklingen lassen. Daniel hat dann vorm schlafengehen auch Kopfschmerzen bekommen, scheinbar erwischt es wohl mal jeden von unserer Gruppe.

Montag: Titicaca-See

Wer sich für eine Reise mit festgelegter Route entscheidet, der macht das ein oder andere mal auch Dinge, die er oder sie kritisch hinterfragt. Einer dieser Punkte ist zum Beispiel der Besuch der Einheimischen auf den schwimmenden Inseln die aus Schilf gebaut sind, den sogenannten Uros. Ein Ort, der so friedlich und abgeschirmt von der Welt wirkt, bis die Einheimischen dich mit „vamos a la playa“ tanzend verabschieden. Es wirkt wie eine Show. Wir durften uns die Häuser auf den Uros anschauen, die inzwischen mit Solarzellen ausgestattet auch Strom nutzen.

Die Insel der Uros befindet sich am Titicaca-See, der 15 mal so groß ist wie der Bodensee, auf 4000 Meter Höhe existiert und man nach Bolivien rüberwinken kann. Zählt leider nicht als Länderpunkt. Der Titicaca-See ist der höchste beschiffende See der Erde. Ist das nicht abgefahren?

Nun aber von Anfang an.

So haben wir uns heute morgen auf den Weg zum Titicaca-See gemacht. Dieses Mal wartete kein Bus auf uns, wir sind mit dem Tuktuk auf drei Rädern und ohne Motor zum Hafen gebracht worden. Eine witzige Erfahrung! Unser Fahrer war gefühlte 100 Jahre alt, da kann man schon mal Respekt vor dieser Leistung haben!

Am Hafen angekommen, haben wir erst einmal eingekauft. Nicht für uns, sondern für unsere Gastfamilie, bei der wir heute jeweils zu zweit übernachten werden. Die Gastgeschenke bestehen aus Reis, Milchpulver und Äpfeln.

Unser erster Halt mit dem Schiff war eine dieser benannten Schilfinseln. Hier würden wir vom Präsidenten begrüßt, er zeigte uns, wie die Insel gebaut und regelmäßig restauriert wird, damit die Insel nicht absäuft.

Anschließend hat man uns die Häuser der Einheimischen gezeigt. Auf kleinstem Wohnraum, vielleicht 10 qm leben 4 Menschen. Wieder einmal werden Privilegien deutlich. Immer und immer wieder. Kaum waren wir in dem Haus, wurden Daniel und ich gleich in typisch peruanische Kleidung gesteckt. Findet ihr nicht auch, dass Daniel überzeugend aussieht?

Danach wurde uns noch das Shopping angeboten. Die Frauen bieten unterschiedliche Materialien an, ein kleiner Konkurrenzkampf war schon spürbar, dabei bleibt alles in einer Kommune. Nachdem wir wirklich mit den Gesängen von „Vamos a la playa“ verabschiedet wurden, stand für uns wirklich die Frage im Raum, wieviel davon eigentlich nur noch Show ist. Man könnte es auch als lebendes Museum bezeichnen. Bei der darauf folgenden Schilfinsel konnte man neben Riesenbuchstaben wie in Amsterdam Fotos machen, die Souvenirs mit Visa bezahlen und sich einen Stempel für den Reisepass holen. Außer den Souvenirs haben wir auch alles mitgemacht. Idiots.

Wir fuhren dann zwei Stunden mit dem Schiff weiter zur Insel Taquile. Mein Körper kann Schifffahrten nicht besonders gut leiden und reagiert wie immer mit Schlaf. Ist mir tausendmal lieber, dass mein Körper runterfährt, als dass ich mit Erbrechen reagiere. Vielleicht kann Daniel ja noch was tolles zur Schifffahrt berichten? (Anmerkung Daniel: nö)

Jedenfalls sind wir dann auf der Insel angekommen. Es ging gleich von Anfang an steil bergauf, unser Guide Rod sagte direkt, dass das nur ein Vorgeschmack auf den Inca Trail wäre. Daniel und ich waren gleich nach 20 Minuten platt. 4000 Meter Höhe und ewiges zickzack-laufen hauen schon ordentlich rein. Oben angekommen, wurden wir mit einer Granatenaussicht und leckerem Essen belohnt. Wie immer: sie haben es einfach drauf mit dem Essen. Unser extra Tourguide für den heutigen Tag erklärte uns dann noch, was es mit dem farbenfrohen Gewändern und den Gürteln der Männer auf sich hat. Die Gürtel werden nämlich mit den Haaren der Ehefrau gemacht, die von den Eltern von kleinauf mein kämmen gesammelt werden. Einen verlorenen Ehering kann man ersetzen, die Haare nicht. Und da man sich nicht scheiden lassen darf, bekommst du, falls du so trottelig bist und ihn verlierst, von deiner Frau ein Leben lang was umme Ohren deswegen. Die Insel stirbt übrigens so langsam aus, weil es faktisch keine Nachfahren geben kann, da inzwischen alle miteinander verwandt sind. Blöd gelaufen.

Unweit von der Insel Taquile schipperten wir weiter zur Halbinsel Luquina, wo wir eine Nacht in einer Gastfamilie verbracht haben. Die meisten unserer 16 köpfigen Reisegruppe blickten diesem Ereignis eher skeptisch entgegen. Die 21 tägige Reise G-Adventures versucht nicht nur den Nachhaltigkeitsaspekt, sondern auch das grundlegende Verständnis für Kulturen zu integrieren. Mega gute Sache, hatten wir trotzdem kein Bock drauf.

So kamen wir am späten Nachmittag an und wurden am Anleger von den Gastfamilien empfangen. Mit allen sind wir dann hoch zum Fußballfeld, wo wir mit der Kommunen-Band empfangen wurden. Zur Begrüßung wurde dann erst einmal ein Fußballmatch organisiert, Touris gegen Einheimische. Näheres dazu in Daniels Beitrag!

Damit wir dann auch so richtig erleben wie es sich auf der Halbinsel lebt, wurden wir in klassisch peruanische Kleidung gesteckt. Ein bisschen witzig sahen wir schon aus. Zu guter letzt tanzten wir den Tanz der Einheimischen nach. Gibt „leider“ keine Fotos. Sorry, not sorry.

Danach ging es dann in unsere Gastfamilien. Auch wenn ich ja sonst super kontaktfreudig bin, so war dieser Abend für mich der persönliche Horror. In einer kleinen Gemeinde zum Abendessen und kennenlernen in einer Familie, die nicht unsere und wir nicht deren Sprache sprechen, mit drei Kindern zwischen 5 und 15. Der Eisbrecher kam dann von alleine, es hing in der Küche ein Poster von Jefferson Farfan! Daniel ist das Poster sofort aufgefallen und plauderte fröhlich drauf los. Wir bezweifeln bis jetzt allerdings, dass sie verstanden haben, dass ihr Nationalspieler auch mal für den glorreichen FC Schalke 04 spielte.

(Anmerkung Daniel: könnt ihr euch das vorstellen? Wir sind in einer relativ isolierten Community zu Gast. Wir sitzen in der Wohn-Ess-Küche mit indigenen Menschen, die prä-Inka (!) Traditionen pflegen und die einzige elektrische Lampe wirft ihr Licht auf das einzige Poster im Raum: Jeffo, dieser Sololauf über 80 Meter in Leverkusen? Diese regelmäßigen Verspätungen nach Nationalmannschaftsspielen? 10.000 km von zuhause, und ich hab Schalke-Socken an! Daniel over!)

Während des Essens gab es dann noch einen Stromausfall und glaubt mir: es ist stockfinster. Mit Handylicht aßen wir dann weiter, nach 5 Minuten ging dann das Licht aber wieder an. Um 20 Uhr gingen wir dann auf unser Zimmer, ausgestattet mit drei Betten und eigenem Badezimmer. Wie es scheint wohl ein ziemlicher Fortschritt, vor nicht allzu langer Zeit sind die Einheimischen noch auf Toiletten gegangen, die sich außerhalb des Hauses befanden. Um 21 Uhr haben wir dann auch geschlafen, die Nacht war eher unruhig. Nicht wegen der Minusgrade, sondern wegen der 4 (!!) dicken Wolldecken die wie Blei auf uns lagen und einem am Einmurmeln hinderten. (Daniel: es war eine Vollkatastrophe)

Dienstag: Titicaca-See Tag 2

Um sieben Uhr starteten wir in den zweiten Tag bei unserer Gastfamilie. Daniel sagte, dass dieser Part für ihn eher der unangenehmere ist. Uns wurde im Vorhinein nämlich mitgeteilt, dass es beim anpacken bei den typischen arbeiten auch mal zum Angeln oder anderen Dingen mit Tieren kommen kann. Wie ihr wisst, ist Daniel nie besonders amused, wenn es um Tiere geht. Außer Schildkröten. Die gab es aber nicht. Dafür Hunde, Mini- und Maxischweinchen, Esel, Kühe, Schafe, Katzen und Hühner.

Bevor es an das tierische ging, haben wir erst einmal unser Frühstück in Form von Brot selbstgemacht. Richtig lecker! Dazu das wohl unbehandeltste Ei, was ich wohl jemals essen werde, sofern Daniel und ich nicht irgendwann Hennen halten, sofern ich meine Angst vor sämtlichen Gefieder abgelegt habe. Dazu einen Tee, köstlich!

Nach dem guten Frühstück ging es dann ans malochen. Wie selbstverständlich haben wir dann die Kühe zum weiden auf das Feld gebracht. Daniel wollte erst nicht, ich hab ihn dann gezwungen. Fies, ich weiß. Aber da musste er einfach durch. (Daniel: Laune im Keller)

Danach haben wir noch Bohnen geerntet und den Rest an die Esel verfüttert, Kartoffeln geschält und weitere Reste an die Schweinis weitergegeben. What else.

Wenn ich ehrlich bin, haben wir die Stunden gezählt, bis wir wieder weitergereist sind. Nicht unbedingt ein Part, den wir uns für unsere Flitterwochen erhofft haben.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit dem Boot wieder zurück nach Puno. Wir erhielten in der Zwischenzeit die Information, dass es zu einem Streik gekommen ist. Streiken in Peru bedeutet, ganze Straßen zu sperren und Busse von ihrer Weiterfahrt zu hindern. Wir zeigten uns natürlich solidarisch und sind dann heute bereits per Nachtbus nach Cusco gereist. Das Glück war dann auch auf unserer Seite: wir genießen extra breite sitze und Beinfreiheit in der ersten Klasse. So stelle ich mir Auswärtsfahren Deluxe vor!

Peru Total – die Tour beginnt!

Dienstag: Lima – Paracas

Am Dienstag ging unsere Reise dann los. Um 11 Uhr checkten wir aus, bestiegen einen Bus, der uns zum Busbahnhof bringt, um uns in einen anderen Bus zu setzen, der uns in 4-5 Stunden die Küste südlich runter nach Paracas bringt. Der Reisebus war wirklich bequem, es gab unterwegs einen kleinen Snack und am Board TV wurde Dumbo auf spanisch gezeigt. Los Törööos!

Die erste Stunde brauchten wir um aus Lima rauszukommen. Anschließend haben wir einen Eindruck von Peru gewinnen können. Wir fuhren durch eine recht bizarre Landschaft. In die Andenausläufer zu unserer linken waren teilweise wellblechhütten geknallt, die auch bewohnt waren. Direkt an der mautpflichtigen Autobahn, ohne erkennbare Stadt- oder versorgungsstruktur. Zu unserer rechten tat sich der Pazifik auf. Moin Pazifik, das letzte mal haben wir dich vor 5 Jahren von den anderen Seite gesehen!

Auch rudimentäre Landwirtschaft ohne Maschine war zu erkennen, sowie abgetrennte, umzäunte leere Wüstenbereiche, an deren Mauer Privada Propiedad Fam. XY stand. Vielleicht ist Landbesitz ohne erkennbaren Nutzen in der Wüste ne Wertanlage oder so.

Als wir das versmogte, vernebelte Lima hinter uns ließen, kam auch das erste mal die Sonne raus! Die Landstriche wurde (wenigstens Richtung Meer) grüner und letztlich erreichten wir Paracas am späten Nachmittag. Unsere schöne Hotelanlage war leider nicht mehr in der Sonne, sonst wäre ich bei frischen 20 Grad bestimmt noch in den Pool gehüpft. Nach 10 minütigem Spaziergang an der Promenade haben wir übrigens alles sehenswerte gesehen und trafen uns um 7 Uhr, um mit der gesamten Gruppe zu Abend zu essen. Christin hat schon auf dem Weg mit mehr Leuten connectet, als ich gestern beim gesamten Abendessen. Im „besten Fischrestaurant unserer Tour“ (O-Ton Rod, unser peruanische Tourguide und Begleiter für die kommenden 3 Wochen) hat Christin Garnelen gegessen und ich Hähnchen und mehr möchte ich dazu nicht sagen. Aber lecker wars. Nach dem Essen gings ins Bett.

Mittwoch: Paracas – Ica – Nazca

Reisetag! Die Sonne schien bei ca. 16 Grad. Nach dem tristen Lima eine gern gesehene Wegbegleiterin! Jetzt ist Mittwoch, es ist kurz vor 8 und wir haben die Tour zu der nahegelegenen Insel gekonnt ignoriert. 1. findet die Tour von 8-10 statt, also hätten wir um 7 schon essen müssen. 2. geht’s um 10:30 direkt weiter Richtung Nasca und 3. ist der Bootswind für Christins Nase wohl noch nicht das richtige. Stattdessen gehen wir entspannt zum Frühstück. (Daniel)

(Christin) Ich aß dort das erste mal die Tuna Frucht, die nichts mit dem uns bekannten Tuna zu tun hat. Sie ist knallrot, etwas sämiger als Wassermelone und auch nicht besonders geschmacksintensiv. Trotzdem: Sie ist die Frucht, die an Kakteen wächst.

Um halb elf verließen wir dann Paracas, eine Stadt die am Pazifik liegt und wie ein verschlafenes Surfer- und Fischerdörfchen liegt. Unser erster Zwischenstopp war in Huacachina. Es handelt sich um ein Weinanbaugebiet, wo die Grundlage des in Peru allseits bekannten Pisco Sour geschaffen wird. Pisco ist ein Traubenschnaps, den unsere Eltern wohl neben einer Williamsbirne kredenzen würden. Das ganze gibt es aber auch in cremiger und süßlicheren Variante, scheint es auch als Eissorte zu geben. Suena muy delicioso!

Mit einem kleinen Schwips im Gepäck fuhren wir dann weiter nach Ica, un gran arenoso (ein großer Sandkasten). Inmitten der Wüste, die man eher in Afrika vermuten würde, gab es eine Oase, um die sich rundum das Örtchen Ica gegründet hat. Hier gibt es die Möglichkeit Sandsurfing zu machen, was wir leider nicht wahrgenommen haben. Stattdessen haben wir stundenlang auf Essen gewartet. Na gut, dann erst einmal Bierchen. Das mit dem Warten auf Sachen ist hier auch ein bisschen Mentalität. Das ist halt einfach so. Da würde der wütende Alman bei Booking.com immer schlechte Bewertungen abgeben! #gelbekartefürdeutschesverhalten

Gestärkt sind wir dann mit unserem Bus weiter nach Nazca gefahren, wo wir am Abend eintrafen. Gg. 18 Uhr wird es in Peru stockdunkel, bei den Weiten, die das Land zu bieten hat, konnte man nur den Schatten des Notlichts des Busses sehen. In Nazca selbst haben wir uns mit Snacks im Supermarkt ausgestattet und sind alle nach einem letzten Nachtbierchen in unsere Zimmer verschwunden. Buenas noches!

Donnerstag: Nazca

Nazca befindet sich mitten in der Wüste, hier ist es das ganze Jahr über trocken bei rund 27 Grad. Ein schöner Kontrast im derzeit winterlichen Peru. Zeit, die einzige Shorts auszupacken, die ich dabei hab.

Unser Guide kündigte scheinbar an, dass es sich bei dem Hotel in Nazca um das komfortabelste handelt. So war es auch. Gutes Bett, sauber, 1A WLAN und zu guter letzt konnten wir mit einer breiten Auswahl an Brotaufstrichen sowie gutem Kaffee in den Tag starten. Kann ich ja nicht anders sagen: die Peruaner haben Ahnung von Kaffee! Ein bisschen stärker und etwas nussiger als den, den wir so kennen.

Anschließend genossen wir zur Abwechslung mal unterschiedliche Aktivitäten, so dass wir beide berichten werden:

Christin

Mit fünf weiteren Menschen unserer Reisegruppe und einem Guide fuhr ich in einem Van als erstes zu einer Ausgrabungsstätte der Inca am Rande der kleinen Stadt Nazca. Wir bekamen wahrscheinlich eine Wohnsiedlung zu sehen und die Bauart der Incas, für die sie bekannt sind. Leider ist das spanische Englisch nicht soooo leicht zu verstehen, ich konzentrierte mich das ein oder andere mal zum Beispiel mehr auf die 40 Kinder in schuluniformen, die wohl auch einen Ausflug dorthin machten und uns ALLE mit Hola oder Buenos Dias begrüßten. Das wäre so als wenn 40 Kinder euch mit Moin! entgegenkämen. Ich war entzückt! Meine Minigruppe bestand aus 3(!) Lehrerinnen und Lehrern (von 5!! Teilnehmern unserer Morgengruppe). Alle hatten scheinbar den Ferienmodus aktiviert, niemand konnte so recht sagen, wo der wow-Faktor versteckt war.

Wieder zurück in den Van, weiter zu Punkt 2 und damit zu den Nazcalines, welche ich vom Boden aus betrachtet habe.

Unabhängig davon, wieviel Glaube man in die Entstehung und Existenz stecken mag, ist es faszinierend, wie begeistert die Peruanerinnen und Peruaner davon berichten. Es ist ihr Lebenswerk, ihr Glaube und das, was sie wohl auch am Leben hält (neben Gott, der sowieso allgegenwärtig hier ist). Daniel wird euch dazu mehr berichten, ich zeige euch einfach nur meine Fotos.

Wieder zurück in den Van und ab zu Punkt 3. Die Peruaner schafften sich Brunnen, um die Wasserversorgung in der Wüstenregion Nazca sicher zu stellen. Das Wasser ist klar, trinkbar (keine Selbstverständlichkeit) und – wenn ich es richtig verstanden habe – fließendes Gewässer als Ableger aus dem Pazifik.

Hier übrigens die von mir schon beschriebene Tuna Fruta, die an Kakteen wächst!

Daniel

Nach langem Hadern habe ich mich dann doch für den 30 Minütigem Flug über die Nasca-Linien entschieden.

Die Nasca-Linien sind, ähnlich wie die Kornkreise, riesige Figuren, in die Wüste gemalt. Diese sind zwischen 70 und 300 Meter lang und somit erst aus der Luft richtig erkennbar. Das Areal ist riesig und manche Figuren sind Tieren nachempfunden. Die Bilder sind mehr als 1000 Jahre alt. Anbau, Zweck und Herstellungsweise sind immer noch rätselhaft. Von „Sternenkalende“ bis „Alienkommunilation“ gibt es die wildesten Theorien.

Grund genug also, sich das ganze mal persönlich anzuschauen und Erich von Däniken auf die Thesen zu strullern.

Um 9 Uhr wurden wir vom Hotel abgeholt und erreichten nach kurzer Fahrt den Flughafen von Nasca. In die Cesna passten ganze 8 Passagiere rein. Um den Sitzplatz zu ermitteln mussten wir vorher auf die Waage, damit das Gewicht gleichmäßig auf rechts und links verteilt war. Ich hatte das Glück direkt hinter dem Piloten zu sitzen. Also rein ins Flugzeug geklettert, Kopfhörer auf und schon ging’s los!

Die Kopfhörer waren gleichzeitig Ohrenschutz und Informationsquelle. Der Flug war schon sehr abenteuerlich. Ruckizucki hoben wir ab und bereits nach wenigen Augenblicken waren wir über der Nasca Wüste, dem zweittrockensten Fleck auf der Erde. Die großflächigen Linien waren sofort zu erkennen, die, aus unserer Höhe „kleinen“ Linien Bilder erst beim genaueren hinschauen. Ich hoffe ich konnte halbwegs vernünftige Fotos machen.

Absolut irre, wenn man sich anschaut, dass dort unten in der Wüste, im kilometerweiten nichts plötzlich Linien einen Affen formen, oder einen Hund, oder eine Spinne. Fast genauso irre, dass 1000 Jahre später der „moderne Mensch“ einfach eine Straße durch donnert, ohne groß Rücksicht auf diese Bildern zu nehmen.

Am Mittag trafen wir im dann wieder im Hotel und tauschten unsere Erfahrungen beim Lunch mit Bierchen aus.

Den Namen dieses Gerichtes habe ich leider vergessen, es besteht aus einem Omelett mit den Lima-Bohnen, frittierten Bananen und dazu Avocado. Die wachsen hier an den Bäumen und sind nicht nur riesig, sie sind megamäßig-cremig. Bierchen geht hier auch gut, neben 1,2 großen Brauereien gibt es viele kleine, die oft Pale Ale herstellen. I like!

Den Nachmittag überlasse ich wieder Daniel, da hab ich mich gedanklich nämlich etwas ausgeklinkt. Gerne versorge ich euch aber mit Fotos.

Daniel

Es ging verrückt weiter: wir fuhren mit dem Bus in die Wüste. Irgendwann bogen wirbeln der asphaltieren Straße ab und fuhren von da an ca. 10 km Schotterpiste zu einem alten Inkafriedhof, mitten im nichts. Dort haben erst ein paar Grabräuber ein paar Mumien beklaut und später ein paar Archäologen die ganze Nummer aufgeräumt, aufbereitet und nun dort eine Art „Outdoormuseum“ hingestellt. Inklusive geöffneter Grabkammern, mumifizierten Leichen und dem ganzen Zipp und Zapp. Komplett creepy! Ich kann mir so ein Zeugs nicht lange angucken, vielleicht hat Christin ein paar Fotos gemacht, wenn sie schon der Tourguidin nicht ordentlich zugehört hat. Besagte ist in ihrem Job komplett aufgegangen, hat Zeichnungen von Grabkammern in den Sand gemalt, ihre Lebensgeschichte mit eingebunden und uns zwischendurch angeschrieen. Top Show jedenfalls! Falls Christin jetzt Fotos von den Mumien hier einfügt: Achtung, nichts für schwache Nerven.

(Christin) Mit der Gruppen genossen wir dann unser gemeinsames Abendessen. Ich kann euch sagen: Italien ist genauso weit weg wie die Ähnlichkeit zur neapolitanischen Pizza. War ein Versuch wert. Gerne erzähle ich euch aber vom Pisco Sour, den ich mir als Schlummertrunk für die anstehende neunstündige Busfahrt reinpfiff.

Bei einem Pisco Sour handelt es sich um das Nationalgetränk Perus. Es ist ein Cocktail, der aus Traubenschnaps, Limettensaft, aufgeschäumten Eiweiß und einem Schuss Bitterlikör gemixt ist. Wirklich sehr lecker, absolute Suchtgefahr!

Um 23 Uhr sind wir dann in den öffentlichen Nachtbus nach Arequipa gestiegen. Hier handelt es sich um etwas breitere Sitze mit großzügiger Rückklappmöglichkeit mit einem Bildschirm im Vordersitz. Das als Liege zu bezeichnen, halte ich für übertrieben. Nun ist es schon 9 Uhr am nächsten Morgen, Daniel schläft noch. Hoffentlich haben wir gleich vernünftiges WLAN, dann können wir euch das alles hier endlich schicken!

Daniel

Bevor ich anfange, möchte ich gegen diesen Kacknachtbus pöbeln. Nachdem mein Vordermann seinen Sitz runtergeklappt hat, waren meine Knie zwischen meinem und seinem Sitz eingeklemmt, so wenig Beinfreiheit hätte ich, kein Scheiss. Dazu fuhr der Bus in völliger Finsternis Serpentinen hoch. Der Doppeldeckerbus. Serpentinen. Hoher Schwerpunkt. Wieso der nicht einfach umgefallen ist, versteh ich nicht. So lief meine Nacht von 23 bis 5 Uhr ab. Dann stieg mein Vordermann Gottseidank aus und ich hatte noch 2-3 Stunden wenigstens etwas Kniefreiheit.

Freitag: Arequipa

So, wir sind jetzt in Arequipa und es wird Zeit, dass ich Euch mal was erzähle, was ihr deutlich informativer und vorallem richtiger auf Wikipedia erlesen könntet. Arequipa ist die zweit wichtigste Stadt nach Lima in Peru. Als die Spanier hier auftauchten, wurden sie gefragt, ob sie „hier bleiben“ oder weiter nach Cusco gehen würden. Sie sagte „ja, wir bleiben hier“, was in irgendeiner Sprache damals so ähnlich klang wie „Arequipa“ und Zack, war der Name da. N paar blutige Eroberungen und knapp 1 Millionen Menschen später ist Arequipa, mit dem Beinamen „weiße Stadt“ eine schickes Fleckchen auf 2800 Metern Höhe, geprägt von Kolonialismus-Bauten und dem Blick auf die schneebedeckten Anden. Die lokalen Sandwiches schmecken hervorragend und kosten grad mal 4€ (Christin sagt, dass Jonas mehr über das Essen lesen will, deswegen schrieb ich das. Grüße an dich Brudi!), dazu gibt es 360 Tage Sonne.

Den Wahrheitsgehalt können wir leider nicht überprüfen, dafür sind wir 358 Tage zu wenig hier. 1:0 für dich Arequipa! Ob das Abendessen genauso lecker wird, werden wir Euch vielleicht berichten. In puncto Internet im Hotel muss Arequipa jedoch den Ausgleichstreffer hinnehmen, weswegen ihr diese spannenden Zeilen wohl erst lesen könnt, wenn wir schon morgen oder übermorgen weitergezogen sind.

Prima Klima in Lima

Herzlich willkommen auf dem Reiseblog Feldmark International. Die Starbesetzung hat sich über all die Jahre nicht verändert, lediglich ein Nachname ist verloren gegangen. Grund genug für die Protagonisten ganz oben auf der bucketlist anzugreifen: ab nach Peru!

Bei unserer 21 tägigen Rundreise greifen wir diesmal erneut auf bekannte Strukturen zurück und haben uns bei dem Reiseanbieter g-Adventures eingebucht. Wir sind froher Dinge, dass diese Reise an die Reisen in Thailand und Australien anknüpft. Wenn ihr jetzt diesen Blog abonniert, werdet ihr es herausfinden!

Als Airline durften wir diesmal KLM kennenlernen. Während wir uns um 4 Uhr morgens aus dem Bett quälten, um 6 Uhr in Düsseldorf waren und um 9 uns am Airport in Amsterdam auf unsere 3 stündige Wartezeit vorbereiteten, haben wir langsam begriffen, dass unsere Entscheidung scheisse war. Wir hätte einfach entspannt gegen 8 uns in einen ICE Richtung Amsterdam setzen können und wären nun ausgeschlafen, wahrscheinlich günstiger und wir hätten vor unseren Freunden und Fremden angeben können, wie toll wir aufs Klima achten! Sei’s drum. Der Airport in Amsterdam ist jedenfalls wirklich schön, haben wir aber leider viel zu spät bemerkt. Die gemütlichen Sitze, die öffentliche Bücherei und das Museum innerhalb des Airports haben wir erst am Ende entdeckt, vorher waren wir damit beschäftigt uns mit KLM zu zoffen. Einerseits wurde Christins vegetarische Buchung scheinbar vergessen, andererseits haben wir sämtliche Fudelein versucht, um ein Upgrade zu erschleichen. Ganz Katernberg wäre stolz auf unsere Tricks und Grüße gehen raus an Dale, gebracht hat es aber leider nur einen Champagner aus Kristallgläsern, statt Tees in der Businessclass.

Sei‘s drum. Das Bordpersonal war deutlich freundlicher als die Antje am Boden und nach lockeren 12 Stunden und 3 Kinofilmen berührten meine Füße erstmalig südamerikanischen Boden. Christin war ja schonmal in Mexiko, aber das gehört ja eher zu Nord- oder Mittelamerika, deswegen hat sie sich einfach genauso gefreut.

Durch den Jetlag komplett übermüdet haben wir uns sofort ein Taxi gebucht und konnten direkt einen Einblick in das peruanische Chaos gewinnen, das direkt hinter dem Flughafenausgang auf uns wartete. Die Verkehrssituation ist ähnlich wie in Bangkok oder Istanbul (Grüße gehen raus an Berat), die Stadt ist voller Smog und bereits um 18 Uhr Ortszeit ist es dunkel.

Am Hotel angekommen, mit 24 Stunden Reise in den Knochen wurde uns etwas erzählt von defekten Rohren, vollen Zimmern und einem anderen Hotel. Wir waren zu erschöpft und ergaben uns unserem Schicksal. Also wieder ins Auto, und weiter juckeln. Das andere Hotel war nur 4 Blocks weiter und wir konnten uns gegen 21 Uhr Ortszeit endlich schlafen legen.

Am Morgen waren wir nach ausgiebigen ausschlafen, Koffer sortieren und duschen trotzdem um sieben Uhr die allerersten beim Frühstück, Jetlag sei dank. Bei einem ausgiebigen Erkundungsspaziergang konnten wir das Touristenviertel Miraflores beim aufwachen zuschauen, durch die Sportanlagen huschen und den Pazifik bestaunen. Erstaunlich, dass der Mensch nicht wie in Deutschland gewohnt das fitnessstudio für teuer Geld nutzt, sondern die von der Stadt kostenlos nutzbaren Outdoor Sportanlagen in Anspruch nimmt!

Westlicher auf einer genormten Weltkarte war ich noch nie und es wird wohl noch sehr viele Jahre dauern, bis wir jemals weiter westlich sein werden. Irre so ein Gedanke.

Nach einem kurzen Kaffee wurden die ersten Anstrengungen unternommen, Fußballtickets zu erlangen (gesonderter Bericht). Hier wurde das erste mal klar, dass du noch so toll englisch sprechen kannst, wenn ein ganzer Kontinent nur Spanisch spricht. Solltet ihr eine Reise nach Südamerika planen, raten wir euch: macht einen Sprachkurs. Die Peruanerinnen und Peruaner sind sehr höflich und dankbar, wenn der weiße Mensch aus seiner komfortzone ausbricht und sich den Gegebenheiten einfach fügt.

Gegen Mittag wurde dann das Hotel zurückgewechselt in das ursprünglich gebuchte. Dieses ist auch deutlich schicker, jedoch behauptete die Rezeptionistin, wir hätten 2 single beds gebucht und andere Räume sind nicht mehr verfügbar. Naja, was soll’s, sind ja nur unsere Flitterwochen ihr blöden Kackbirnen.

Nach dem Second Check in sind wir dann Richtung Künstlerviertel Barranca aufgebrochen, haben einen süßen kleinen Markt besucht, in einem süßen kleinen Café gesessen und abends noch im Hotel einen süßen kleinen Burger gegessen und dann ab zum Fußball.

Ach ja: mittags haben wir noch das peruanische Nationalgericht ausprobiert: Civiche – in Zitronensaft eingelegter kalter Fisch, scharf gewürzt. Christin fand’s geil, ich fand’s geht so. Wir wussten beide nicht so recht was uns erwarten wird, haben wir also einfach immer brav mit si, si geantwortet. Die Menus sind oft nur auf spanisch, die peruanischen Menschen erklären auf spanisch, auch wenn du sagst, dass du kein spanisch sprichst. Ein Abenteuer!

Unterwegs sind wir meist mit einem uber. Das ist die privatwirtschaftliche Form eines Taxis. Kann man nicht anders sagen, da hat die Taxi Industrie einfach dem Anschluss verpasst. Per App den Standort bestimmen, angeben wo es hingeht, per Kreditkarte oder Paypal bezahlen, in zwei Minuten ist das uber da. Anschließend Fahrten bewerten und online ein Trinkgeld geben. Alles das, was Menschen unserer Generation gut finden. In NRW wurde das ganze jetzt in Köln und in – Achtung – Troisdorf eingeführt. Germany in a nutshell.

Sonntag

Christin hat sich durch Klimaanlage, Uber oder sonst was ne top Erkältung eingefangen. Die Hypochonder-Worldtour geht mit geänderter Startaufstellung weiter! Also ab im die Apotheke und dort mit katastrophalen Sprachbarrieren und Google Übersetzer versucht irgendwas zu regeln. Am Ende haben wir überteuerte Ceterizin bekommen, vielen Dank, die hatten wir auch dabei und die waren ganz offensichtlich falsch, weil es nicht an einer Allergie liegt. Haben wir aber zu spät gecheckt. Da wir es entsprechend langsam angehende lassen wollten, sind wir also erst mal ein bisschen geschlendert und haben uns in ein Café gesetzt und Mittag gegessen. Anschließend wollte ich diesen Bericht schreiben und habe festgestellt, dass wir am Nachmittag ein zweites Spiel mitnehmen konnten. Das passte ganz gut, weil Christin sich dann etwas auskurieren konnte. Als ich vom Spiel wieder da wir, haben wir im Hotel zu Abend gegessen und noch ein bisschen Karten gespielt.

Montag

Tag zwei mit Erkältung. Am einfachsten ist es, im Vorfeld das Internet nach möglichen Medikamenten zu durchforsten, um den Menschen in den Apotheken das Wunschprodukt unter die Nase zu halten. Wenn dann allerdings die Antwort darauf ein einfaches „no“ ist, wird es erneut kritisch. Dazu muss man wissen, dass die Menschen, meist Frauen, die in den Apotheken arbeiten, keine Fachkräfte sind sondern alles durch die Eingabe in einen PC ergooglen. Es ist also ein Glücksspiel.

Wir starteten den Tag mit Frühstück in unserem Hotel. Desto früher am Morgen man da ist, desto mehr gibt das Buffet her bzw. Desto weniger müssen die Beschäftigen nachliefern. Das klappt nämlich nicht so gut.

Wir sind fast vier Wochen unterwegs, haben aber nur Klamotten für ca eine Woche mitgenommen. Reisen mit leichtem Gepäck, genau das finden Daniel und ich gut. Es mangelt an nix und wenn was fehlen sollte, gibt es genug vor Ort. Besonders freue ich mich auf den Besuch einer Weberei, in der wir fair gehandelte Alpakawaren kaufen können. Dafür lasse ich gerne Platz im Rucksack!

Jedenfalls schafft das den zusätzlichen Aufwand des Waschens. In Peru sind Wäschereien in großen Städten in vielen Stadtteilen mehrfach vorhanden. Das Hotel empfahl uns die Wäscherei direkt gegenüber, diese nahm ihre Öffnungszeiten aber nicht ganz so korrekt. Mit dem Sack Dreckswäsche unterm Arm entschieden wir uns somit ein paar Blocks weiter die „Quick Laundry“ aufzusuchen, die uns aber mitteilte, dass die Wäsche in zwei Tagen abholbereit wäre. Das wussten wir, weil wir inzwischen wussten, dass „hoy“ heute und „mańana“ morgen heißt. Beides erwiderte sie mit „no“. Dann mal adios und zurück zu der seniora, die uns empfohlen wurde. Glück gehabt, diese hatte nun doch auf und nachdem sie unseren Wäschesack an einen Haken zum wiegen hing, teilte sie uns mit, dass wir „hoy“ um „seis“, sechs Uhr, alles für umgerechnet 2,50 abholen können. Das nenne ich mal Service!

Um geschätzte 2 kg leichter ging es dann mit einem Uber ins Regierungsviertel der Stadt, genauer gesagt an den Plaza Major, der Geburtstätte der Stadt Lima. Nach einer ca. 40 minütigen Fahrt kamen wir an einen großen Platz, wo eine Art Buckingham Palace in Mini gerade den Wechsel der Wachen zelebrierte. Statt einer „tach Reiner“ – „grüß dich Willi, ruhige Schicht wünsch ich dir“ wurde der Wechsel fast eine halbe Stunde durch Zinnmännchen ähnliche Bewegungen vollzogen. War jetzt nicht das Highlight unserer Reise. Wir beschlossen einfach was zu essen, das kann man in Peru nämlich wirklich gut. Auch wenn Daniel das nicht so ausführlich beschreiben kann wie Fußball, so lasst euch gesagt sein: nicht ohne Grund genießt Peru dem Ruf als eine der Weltbesten Küchen.

War leider gar nicht so einfach, jedenfalls sind wir irgendwann mitten in einem neuen Stadtteil gelandet, wo wir als Touristen schon sehr aufgefallen sind. Hektisch, laut und deutlich von Armut betroffen. Hier gab es sogar noch Schuhputzer. Andere sind auf ihren motorisierten Geschäften am Straßenrand unterwegs und verkaufen ein Bund Bananen für 5 Sol. Dabei ballern sie so viele Abgase in die Luft, von der Grünen Plakette sind sie weit entfernt. So stellen sich wahrscheinlich Bueraner den Gelsenkirchener Süden vor.

Uns brachte dann ein „offizielles“ Taxi wieder zurück nach Miraflores, dem touristisch erschlossenen Stadtteil. Hier ist es sinnvoll vorher den Preis zu erfragen und auf die Plaketten an den Autos zu achten, damit man auch sicher ankommt. Unser Taxifahrer, ich schätze ihn auf ca 70–75 Jahre, redete das ein oder andere mit uns auf spanisch. Wirklich ärgerlich, dass wir uns nicht unterhalten können. Wir gingen in ein steakhouse, Daniel war voller Vorfreude. Mit uns waren nur Anzugträger und Businessmenschen im Lokal. Zum Verständnis: ein Steak für umgerechnet 20 Euro macht für den Beschäftigten in Lima ca 1/6 seines monatlichen Lohns. Ekelhaft kapitalistische Welt.

Am Abend fand dann unser Kennenlerntreffen mit unserer G Adventures Gruppe statt. Ich schleppte mich mit in die Hotel Lobby, Daniel übernahm den aktiven Part. Unsere Gruppe zählt 16 Personen, alle im Alter zwischen Mitte 20 bis Anfang 60. Dabei sind Paare, Alleinreisende und zwei Mütter mit ihren erwachsenen Kindern. Wir kommen aus Deutschland, Österreich, Irland, Großbritannien und Kanada. Außer Irland eigentlich die typischen Länder, die wir bei unseren G Adventures Reisen dabei haben. Nach dem offiziellen Teil spielten wir weiter vertauschte Rollen: Daniel ging mit den anderen was essen, ich verkrümelte mich wieder auf unser Zimmer und kurierte mich weiter aus. Ein Glück, sonst hätte ich Simpsons in espanol verpasst. Muy bien!